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Theater 1948 „Laienspielschar Rothenbergen“

Wussten Sie schon, dass wir nicht die erste Theatergruppe in Rothenbergen sind?!

Als sich unser Verein 1986 gründete, gab es bereits 20 Jahre zuvor eine aktive „Laienspielschar“ in Rothenbergen.

Lesen Sie hier die interessante Entstehungsgeschichte, verfasst von Heinrich Goy. Diese erschien im Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 2018.

 

Ein gut gelungener Start – die „Laienspielschar Rothenbergen“

Es war schon eine Zeit in der man keine Ansprüche haben durfte. Man musste zufrieden sein, mit dem, was gerade zur Verfügung stand. Wenn man etwas Ablenkung von dem tristen Alltag suchte, musste man in der Umgebung suchen. In unserem Dorf gab es keine Möglichkeit dazu. Es gab zwar die Gelegenheit, ein Kino zu besuchen, aber das war schon wieder mit Schwierigkeiten verbunden, denn der Weg dorthin war weit. Wer hatte damals schon ein Fahrrad? Es kam oft vor, das man das abgestellte Rad nicht mehr vorfand, wenn man zurückfahren wollte. Da ließ man das Rad lieber zu Hause, denn wenn es weg war, gab es keinen Ersatz zu kaufen.

Oft sind wir Jungens 5 bis 8 Kilometer gelaufen, um einen amerikanischen Film mit deutschen Untertiteln zu sehen. Aber am liebsten liefen wir „Zum Bierschorsch“ wenn die „Alzenauer Operettenbühne“ ein Gastspiel gab. Die älteren Leute, die nicht mehr so gut zu Fuß waren, konnten da leider niht mehr teilnehmen. Öffentliche Verkehrsmittel gab es nicht, und motorisierte Verkehrsmittel konnte man an den Fingern abzählen. Einige Jungens hatten damals in einem alten Holzcontainer – einem Überbleibsel der Luftwaffe – aus Spaß an der Freude und Tatendrang ein kleines, aber feines Puppentheater aufgebaut und damit den Kindern aus dem Dorf und der näheren Umgebung große Freude bereitet.
Da kam dann auch ab und zu mal ein Erwachsener mit, um sich das mal anzusehen. Langsam entstand der Gedanke: das könnte man vielleicht doch auch mit einer großen Bühne versuchen. Diese Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Es bildete sich ein ca. 8 köpfiger Kreis und diskutierte positiv darüber. Aber man fand keinen Standort dafür. Der sollte ja auch leicht erreichbar sein.

Im 1. Quartal 1948 kündigte der Mieter des großen Saales in Rothenbergen den Mietvertrag. Jetzt war der Standort gefunden! Wir durften den für damalige Verhältnisse riesigen Saal nutzen. Der Saal war seit Kriegsbeginn zuerst als Geschirrlager von der Luftwaffe (Flugplatz Rothenbergen) beschlagnahmt. Dann benutzten ihn die US-Amerikaner eine Zeitlang als Frontkino. Zuletzt schlug eine Ölhandelsfirma ihr Lager darin auf. Dementsprechend war auch der Zustand. Die Bühne war total entfremdet. Keine Kulissen, kein Vorhang, keine Beleuchtung. Diese Renovierung mussten wir, die dem Fußballverein „Germania Rothenbergen“ eingliederte, inzwischen benannte „Laienspielschar Rothenbergen“ selbst durchführen. Inzwischen hatte sich das natürlich schon herum gesprochen, und wir bekamen bei den anfallenden Arbeiten und der Beschaffung der erforderlichen Materialien, was damals gar nicht so einfach war, Hilfe von Vereinsmitgliedern und Gönnern.

Unsere Truppe bestand am Anfang hauptsächlich aus 16- bis 20-jährigen Jugendlichen, die mit sehr viel Idealismus an die Arbeit gingen und ihre ganze freie Zeit einbrachten. Die meisten gingen noch in die Lehre bei Handwerksbetrieben der Umgebung. Deren Meisten waren auch positiv eingestellt und ließen viele Arbeiten in ihren Werkstätten zu. Der Schreiner durfte die Kulissenrahmen zusammen bauen, der Elektriker die Beleuchtungsanlage, der Büroangestellte vervielfältigte die zu spielenden Rollen für die entsprechenden Darsteller. Wir bekamen auch viel Hilfe von interessierten Mitbürgern – sei es beim Bespannen, Bemalen, Auf- und Zusammenbau der gesamten Bühnenanlage. Der Standort war gesichert. Jetzt konnten auch ältere Leute und Kinder zu den Vorstellungen laufen. Die Puppenbühne hatte ausgediehnt.

Die erste Aufführung fand im Spätherbst 1948 mit dem Schwank „Ein strammer Junge“ im Rahmen einer Veranstaltung des Fußballvereins statt. Es wurde ein grandioser Erfolg. Es kamen viele Bürger, die gerne mitspielen wollten hinzu. Die „Laienspielschar Rothenbergen“ hatte sich etabliert und widmete sich jetzt auch mit Erfolg anderen Theaterstücken: u.a. „Die spanische Fliege“*, „Der Meisterboxer“* und etliches anderes.
Um 1950 war die Truppe so bekannt, dass der Kreis Gelnhausen mit der Frage an sie herantrat, ob sie bereit sei, im Kreisgebiet aufzutreten und den Erlös dem sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Mit Begeisterung stimmten wir zu. Das war doch auch die Möglichkeit, einmal in eine andere Gegend zu kommen. Der Kreis stellte den Bus zur Verfügung, der damals noch mit Holzgas betrieben wurde. Wir luden unsere Utensilien auf und ab ging es.

Von Lohrhaupten im Spessart bis Schlierbach im Vogelsberg sowie in der näheren Umgebung waren wir unterwegs. Es gab immer andere Bekanntschaften. Es war eine schöne Zeit. Als dann das Fernsehen so um 1960-1965 immer mehr Sender und Programme anbot und auch andere Freizeitangebote entstanden, sank die Zahl der Besucher allmählich ab. Auch wechselten die Interessen der jüngeren Generation, was eine wesentliche Rolle dabei spielte. Schweren Herzens entschied man, die Vorstellungen vorübergehend einzustellen. Die Kulissen und andere größere Utensilien wurden bei einem Mitglied der Truppe in einer Scheune eingelagert. In manchen Köpfen bestand immer noch der Gedanke an eine eventuelle Wiederverwendung. Aber nach fast 20-jährigem Bestehen stellte die „Laienspielschar Rothenbergen“ ihre Auftritte gänzlich ein. Die Ära war zu Ende

Heinrich Goy im Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 2018 (ISBN 978-3-9808424-5-7)


Hervorherbungen durch TER.
* Diese Stücke haben wir ebenfalls aufgeführt. Die spanische Fliege, Der Meisterboxer

Wir suchen Dich

[Aktualisierung: 05.09.2015]
Unser Aufruf für theaterbegeisterte Jugendliche war diese Woche auch in den Zeitungen. Für Interessierte veranstalten wir am Montag, 14.09.2015 um 17:00Uhr ein erstes Treffen im Saalanbau des Dorfgemeinschaftshaus Rothenbergen.

> Auf der Suche nach Theaternachwuchs <
Rothenberger Schauspieler laden zu Info-Treffen

Gelnhäuser Neue Zeitung, 03.09.2015

> Nachwuchs in Rothenbergen gesucht <
Jugendgruppe „Streetkids“ lädt für 14. September zum Schnuppern ein

Gelnhäuser Neue Zeitung, 04.09.2015

[Aktualisierung Ende]

Bestimmt hast Du Dir bei manchen Theatervorführungen (vielleicht ja auch schonmal bei unseren Vorstellungen) gesagt: „Toll, das möchte ich auch machen“. Jetzt hast Du die Möglichkeit bei uns in die neue Theatersaison einzusteigen.Wir suchen interessierte Jungen und Mädchen, die Lust haben ein Theaterstück einzuüben und aufzuführen. Auf unserer Infoseite  gibt es alle Informationen rund um unsere Truppe.Habt Ihr Lust mitzumachen oder noch Fragen so könnt Ihr uns unter jugend@theater-rothenbergen.de oder das Kontaktformular erreichen.

Ein Gruß an unsere treuen Zuschauer

Gesamtbild September 2009

Aus Anlass der gelungenen Aufführung „Die Affäre mit der roten Jacke“ im September 2009 hat sich das Theater-Ensemble Rothenbergen zu einem längst überfälligen Fototermin zusammen gefunden.

Hiermit möchte sich nun das TER in Wort und Bild bei Ihnen vorstellen und sich  noch einmal für Ihre zahlreichen Besuche (in der Vergangenheit und in der Zukunft) bei Ihnen herzlichst bedanken.

Der ein oder andere Theaterbesucher meint vielleicht, der Verein steht und fällt mit den Schauspielern – schließlich ist es ja ein „Theater“-Verein. Aber wie in jedem Hobbyverein gibt es Personen im Vordergrund, die in diesem Fall auf der Bühne stehen und das Stück präsentieren, und Personen im Hintergrund, in unserem Fall der Großteil der fleißigen Hände, die man auf dem Foto sieht.

Unsere Schauspieler kennen Sie schon. Sie sehen sie halbjährlich auf der Bühne, und werden durch  sie zum Lachen gebracht. Manche „Stars“ stehen regelmäßig auf der Bühne, andere wiederum seltener, ab und an ist ein neues Gesicht dabei. Gerade das ist das Schöne am Theater – es wird nie langweilig. Und wir wollen doch schließlich allen Jungschauspielern die Chance geben, sich Ihrem geschätzten Applaus hingeben zu dürfen, oder?

Was würde aber ein Darsteller tun, wenn er keine Tür hätte, durch die er die Bühne betreten kann? Erinnern Sie sich nur an das letzte Bühnenbild, da gibt es Türen und Torbogen, Treppen, Wände, Regale, Fenster etc.. Die Wände müssen tapeziert werden. Das Bühnenbild muss vorher mit allen Details geplant und dann gebaut werden. Und – vergessen Sie nicht – es muss von Rothenbergen nach Lieblos transportiert und neu aufgebaut werden.

Was braucht ein Darsteller eigentlich noch? Ja, stimmt. Licht. Manchmal auch Musik, Geräusche und sonstige technische Spielereien, die Ihnen einen möglichst perfekten Theaterabend bescheren sollen.

Die Aufführung steht nun also: Die Schauspieler sind da, das Bühnenbild steht, das Licht ist an – und dann ist Pause und es gibt Essen & Trinken. Da gibt es die vielen Helfer in der Küche, die die Brötchen aufschneiden, belegen und so nett, wie sie es kennen, garnieren. Da ist die lange Schlange vor der Brötchentheke, die trotz des Stresses so schnell und nett wie möglich aufgelöst wird. Da sind die verschiedenen Theken, um jeden Gast so gut es geht zufrieden zu stellen und den Pausenansturm reibungslos zu gestalten. Nach der Vorstellung holen Sie Ihre Jacke von der Garderobe ab und gehen nach einem heiteren und entspannten Theaterbesuch nach Hause.

Ihnen wird also nicht entgangen sein, dass an so einem Theaterabend viele arbeitende Hände zu Werke sind, damit die Theatervorstellungen ein rund herum gelungener Abend für Sie wird.  Wir, die Mitglieder des Theater-Ensemble Rothenbergen, tun all das gerne für Sie. Nun hoffen wir, dass Sie auch unsere  nächsten  Vorstellungen besuchen und sich damit unsere Arbeit auch in Zukunft lohnen wird!

Mit diesem Artikel waren wir übrigens auch in der Zeitung…

Gelnhäuser Bote: 07.10.2009

Bote 7.10.09