Impressionen zu „Hier sind Sie richtig“

Gründau-Lieblos, den 29. November 1986
von Anke Joh

Dass „Hier sind Sie richtig“ unser Durchbruch war,
ist heute und jetzt wohl jedem klar.
Doch sollte man trotzdem nicht vergessen
Wie lang’s gedauert, bis alles gesessen:
War doch vor einem knappen Jahr
Die Weihnachtsfeier der ‚Germania’.
Die Elke stellte mit de Große und Kleine
Ein tolles Märchenspiel auf die Beine.

Das kam gut an, man hatte viel Freude,
und später unterhielten sich einige Leute
über’s: „und was machen wir jetzt,
wie geht es denn weiter?“
So erklommen wir die erste Sprosse der Theaterleiter.

Die Elke, wie immer, eifrig zugegen,
ließ sich von allen die Telefonnummern geben
und ein paar Wochen später, aus heiterem Himmel,
ließ sie bei allen das Telefon bimmeln.

Man traf sich zu einigen Vorbesprechungen
Und damit war der Einstieg gelungen.
Wir bestellten das Stück „Hier sind Sie richtig“
Und allein die Frage „Stimmt das?“ war wichtig.

Wir brauchen Kulissen! – war die nächste Frage
Und plötzlich kam die Tatsache zutage,
dass so was existiert in Böhmers Scheune
vom Theaterverein, der vor 30 Jahren sein Publikum erfreute.

„Nix wie hin“, das war die Devise,
und eines Tages war der Anblick zu genieße,
dass tatsächlich alles zu gebrauchen war,
was dort gelagert die ganzen Jahr.

Das war ‚ne Aktion, man glaubt es kaum,
man räumte unter akrobatischem Einsatz den Lagerraum.
Als das war geschafft, fing die Arbeit erst an,
denn die alte Kulisse bekam neues Gewand.
Das war eine Arbeit, mit Spachteln und Wasser,
bei jeder Tapetenschicht wurden wir blasser,
denn ganze sechs davon kratzten wir ab
danach waren wir, ehrlich gesagt, ganz schön schlapp.
‚Ne neue Tapete wurde gekauft,
und wenn auch der Finni sich die Haare gerauft,
wir fanden sie schön und klebten sie dran
und schon fingen auch die Proben an.

Ab sofort war der Mittwoch Theatertag
Und somit der Anfang der geistigen Plag.
Wir übten die Szenen, Woche für Woche,
nicht selten wurde mittendrin unterbrochen,
weil alle flach gelegen vor Lachen
– was soll’s – denn Spaß sollt’s schließlich machen.

Auch gab’s Probleme, das ist klar,
besonders, weil nicht jeder immer bei den Proben war.
Zum Beispiel der Michael, das treulose Huhn,
ließ uns manche Nacht nicht ruh’n,
denn der glänzte durch Abwesenheit
doch dann stand der Walter als Ersatz bereit.
Wir setzten den Jean Poirot um
Der Michael nahm dies auch keinem krumm,
denn er hatte sich wohl bei der Zeitplanung vertan,
weil er gerne nimmt sich so vieles an.
Der Walter machte seine Sache so gut,
dass wir fassten neuen Mut.

Der nächste Hammer ließ nicht auf sich warten,
denn die Uschi startete zu Urlaubsfahrten.
Ganze vier Wochen war sie auf Reisen
Konnte aber nach der Rückkehr beweisen,
dass sie war gerüstet für die Premiere
doch ließen wir uns von Elke belehre,
dass so was nicht wieder vorkommen darf
und nur Leute spielen, die daheim bleiben brav.

So nach und nach kamen auch die Kostüme zusammen,
nachdem etliche Beratungen vorweggegangen.
Der Herren Unterhosen war das größte Problem,
mehr als einmal fragte man: „Welche für wen?“
Reiner brauchte zu seiner Kopfbedeckung laut Buch
eine moderne Unterhose auch.
Also trug er, das war wohl am besten,
so eine wie die Amis im Wilden Westen.
Der Thomas, der wählte ‚ne sexy Hose,
die gute geeignet für seine Spartacus-Pose.
Zwar hatte er seine Probleme damit,
sich abzugewöhnen den „Zuppel-Tick“!
Uns brachte dies oft großes Gelächter
Und auch der Walter war nicht schlechter.
Der zauberte, historisch und frei,
ein wahres Museumsstück herbei!
Sein Leitspruch war: „Die Freiheit sie lebe!“
und das sollte ihm viele Lacher gebe.
Dann der Finni, der war auch nicht faul,
trug lange Unterhosen zum Schutz für sein Paul.

Das alles passte, wie auf’s Auge die Faust,
doch hat noch die Frauen die Frage gelaust:
„Was ziehen wir an, was passt wohl am Beste?“
Doch auch das zu lösen, bemühte man sich feste.
Die Anke, das war für die Gudrun ein Schock,
kam die doch immer im selben Rock!
Doch auch bei Gudrun siegte der Verstand,
denn sie begriff: Das war das Theatergewand!
Dann noch ein Schürzchen und ‚nen Wedel in die Hand
Und fertig war das Hausmädchen, Berthe genannt.
Die Marion wählte zur schwarzen Hose,
‚ne bunte, lange, verrückte Bluse,
darüber ein Kittel, wie er Malern gebührt
und auch die Vera hat im Kleiderschrank gerührt
und förderte drei Gewänder zutage,
mal ehrlich: besser kann keine Georgette sie trage.
Die Uschi brachte ihre Geburtstagsbluse mit
Und mit ‚nem eleganten Rock war die Klavierlehrerin fit.

Ach ja, was gerade mir fällt ein,
war doch Reiners Kopf für den Hut etwas klein!
Egal, er nahm ihn, sah aus wie ein Schelm,
denn der Hut erinnerte an einen Tropenhelm.

Der große Tag rückte näher und näher
Die Aufregung zehrte wie’n Rasenmäher.
Doch eines war beruhigend, denn schon war klar,
dass vor leerem Haus nicht zu spielen war.
Im Gegenteil, wir waren ausverkauft,
das schaffte den Ehrgeiz ganz weit rauf.
Und wir wollten in der Aula spielen
Das hätt’ uns gezwungen zu ganz andr’en Zielen,
denn zwei Aufführen hätten da nicht schickt,
‚e ganz Jahr vorneweg hätten wir in Scheinwerfer geblickt.

Dann war’s soweit, der 4. Oktober war da,
der ein magisches Datum für uns war.
Um punkt halb sieben haben wir uns getroffen,
und mancher kam als Nervenbündel zur Tür reingekrochen.
Aber eines ist wohl jedem klar,
der Klaus Dressbach, der war unser Star.
Der leiert und gongt und gongt und leiert,
ein schwerer Job, wie er immer beteuert.

Die Premiere war super, wenn auch mit Tücken,
wollte es doch dem Reiner nicht glücken,
sein Glas zu Boden gleiten zu lassen,
denn lautes Klirren ließ alle erblassen.
Das Glas war kaputt, was machen wir nun?
Die Anke musste Abhilfe tun
Und entfernte ganz ungeplant
Mit klopfendem Herz die Scherben mit dem Staubtuch in der Hand.

Und dann die Marion, es war einfach schee,
ach was schmiss sie die Beine in die Höh’,
als der Finni sie stürmisch hochgehoben
und ihr Urschrei, der ließ das Publikum toben.
Und unsere Vera, was hammer gelacht,
was hat die mit dem Kissen für Arbeit geschafft.
Nur um zu zeigen, wie sie sich geniert,
weil der Spartacus „Muskeln und Fleisch“ präsentiert.
Und dann, als die Uschi fragt: „Was soll ich bezahlen?“
„Die vierzig Minutel“, hört man Spartacus prahlen.
Da war es beinahe doch geschehen
Um Ankes Beherrschung in dieser Szene.
Und dann noch der Vera ihr Italier,
da amüsierten wir uns sehr,
genauso wie in Marions Szene,
als sie ihr „wirklich tatsächlich“ erwähnte.
Oder die Uschi, sie war auch nicht still,
besonders nicht wenn sie sagte: „wie’r’er will“.
Das war einfach nicht aus ihr rauszubringen
Und schließlich tat auch nett es klingen.

Auch in der Garderobe war was los
Waren auch dort alle zusammen in der Pause bloß.
Während der Szenen, das ist klar,
jeder hinter den Kulissen zum Gucken war.
Nur der Walter, der soo träge ist,
ruhig in der Garderobe die Zeitung liest.
Als dann die Pause war gekommen
Fühlten viele sich etwas benommen
Und spürten ein Bedürfnis nach Frische,
weshalb die Marion griff nach der Spraydose auf dem Tische.
Das hätte sie lieber nicht getan,
doch Marion fing unverblümt zu sprühen an.
Zuerst sie damit sich selbst erfrischte,
gleich darauf die Vera erwischte,
die bereitwillig die Arme hob,
während der Inhalt der Dose unter diese stob.
Die Anke war’s, die dann erschrak,
denn das war kein Deo, das war Haarlack.
Das Gelächter war groß wie selten vorher,
denn so was, das gab’s schon lange nicht mehr.

Drei Wochen danach war’n wir in Lieblos zugange
Und es dauerte auch hier nicht lange,
bis 400 Karten waren verkauft
und die Vorbereitungen nahmen ihren lauf.

Der größte Schock stand uns noch bevor
der Walter stürzte volles Rohr
beim Finni vom Gerüst herab.
Die Hand war gebrochen, die Zeit war knapp.
„Was tun?“, das waren die großen Fragen,
kann man noch schnell ‚nen Ersatz beauftragen?
Nein, zu spät, das schafft der nicht
Wer konnte auch ahnen, dass sich einer was bricht?
Wir mussten uns alle damit abfinden,
dass Walters Part musste verschwunden,
aus unserem so erfolgreichen Stück,
das war natürlich gar kein Glück.
Doch dann, die rettenden zwei Worte
„Ich spiele“ man vom Walter hörte,
die Erleichterung war groß, die Enttäuschung weg,
wir mussten verzichten auf keinen Gag.

Im Gegenteil, ein solcher kam hinzu,
platzte doch der Vera es Kleid im Nu!
Sie vergaß ihren Text, war völlig daneben,
doch irgendwie war auch das zu beheben.
Zusammenfassend ist zu sagen,
dass keiner kann sich mehr beklagen,
der Erfolg, den wir hatten, spricht für sich
und das hält uns aufrecht – sicherlich!
Lange Rede, kurzer Sinn,
hoffentlich bleibt es so weiterhin.
Ich wünsche jedenfalls uns all,
viel Spaß beim nächsten Theaterball!

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